Warum tinyon

Das Leben im Tiny House klingt nicht nur super spannend, es ist der Traum von über 40.000 Begeisterten in Deutschland. Der Weg von „rosaroten“ YouTube Videos und Instagram Posts hin zum Leben in den eigenen vier Tiny House Wänden ist dennoch auch bei uns mit großen Herausforderungen verbunden. Wir nehmen dich hier mit auf unsere knapp 3 Jahre lange Reise und liefern dir vielleicht schon hier den ein oder anderen Impuls für dein Projekt.

Was ist unser Warum?

Um ehrlich zu sein, war auch unser erster Gedanke die maximale Beweglichkeit: Sich auf keinen Lebensmittelpunkt mehr festlegen zu müssen und trotzdem den gewohnten Wohlfühlraum immer bei sich zu haben. Der innere Antrieb, unsere wunderbare Erde als lebenswerten Ort zu erhalten, hat persönliche Gründe: Chris erlangte durch seine über 10-jährige Tätigkeit in der Recyclingbranche ein Bewusstsein für die Umwelt, Caro wurde durch ihre Erlebnisse in Neuseeland sensibilisiert. Durch eine intensive Auseinandersetzung mit unserem Lebenswandel sowie viele Gespräche miteinander, mit Haushersteller:innen und auch Bewohnenden stellte sich dann aber vor allem der bewusste Konsum als unsere Kernmotivation für das Leben im Tiny House heraus. Uns wurde dabei sehr bewusst, wie wichtig die Beantwortung der Grundmotivation für den weiteren Weg ins Tiny House ist, da viele weitere Entscheidungen davon abhängig sind.

Was ist dein Warum? Warum interessierst du dich wirklich für ein Leben auf bis zu 50 m²?

Die Wiese: Grundstückskauf vs. Pacht

Da uns die Beweglichkeit mit einem Rollingtiny zu Beginn der Reise extrem wichtig war, hatten wir uns zu diesem Zeitpunkt ausschließlich mit Pachtgrundstücken beschäftigt. Durch den Besuch von bestehenden Tiny House Siedlungen und die Bewerbung auf Stellplätze in entstehenden Projekten haben wir versucht, mit übersichtlichen Ansprüchen „Hauptsache erstmal ne Wiese“ zu finden. Im Laufe der Zeit wurde uns aber bewusst, dass wir mit einem Grundstück mehr als nur einen kurzzeitigen Abstellplatz, sondern vielmehr einen Lebensmittelpunkt verbinden. Es wäre zum Beispiel ein sehr komischer Gedanke, nach Auflösung eines Vertrages durch die Verpächterinnen fremdbestimmt den Wohnort wechseln zu müssen. Nach unzähligen Gesprächen, Nachrichten und Vor-Ort-Begehungen standen wir mehrfach kurz vor dem begehrten Notartermin, um diesen dann durch vermeintliche Kleinigkeiten platzen zu sehen. 14.000 Kilometer, über 250 Stunden Lebenszeit und viele Erkenntnisse im Umgang mit Grundstückseigentümer:innen, Architekt:innen, Haushersteller:innen, Bauämtern und Banken später konnten wir Ende 2021 unser Tiny House taugliches Traumgrundstück ergattern.

Wie sieht’s bei dir aus? Stehst du auf die flexible Pacht oder strebst du den Besitz und damit die vermeintliche Sicherheit an?

Das Haus: Räder oder nicht, das ist hier die Frage

Beim Lesen unserer Geschichte fällt dir sicher die Abhängigkeit aller Teilschritte zueinander auf. Auch die Entscheidung „Pro oder Contra Räder“ ist nicht zwingend eine finanzielle, eher eine emotionale. Auch bei uns ist erst das Bewusstsein gereift, dass wir unser Haus in der Praxis wohl eher selten bewegen werden. Abgesehen davon ist ein Modulhaus, worauf es bei uns hinauslaufen wird, durch einen LKW mit Kranaufbau ebenfalls möglich. Die Schraub- oder Punktfundamente, auf denen das Modulhaus auf deinem Grundstück abgestellt wird, sind fast rückstandsfrei entfernbar und das Baugrundstück danach wieder eine unberührte Wiese. Wir sind damit zwar in einer gewissen Abhängigkeit, haben aber die Option der modularen Erweiterung oder späteren Verkleinerung des Hauses.

Wie beweglich willst du sein?

Reduzierung: 930 Dinge später

Als wir unsere zwei Haushalte aus Ulm und Zürich 2019 zusammenlegen wollten, wurde uns klar, dass wir für diesen Hausstand mindestens 90 m² Wohnraum bräuchten. Spannenderweise war das Ausmisten der Single-Wohnungen aber auch eine Chance, einzelne Gegenstände auf ihren Nutzen hin zu hinterfragen und emotionale Wegwerf-Entscheidungen zu treffen. Nachdem wir dann einige Zeit auf „nur“ knapp 60 m² zusammen gelebt hatten, wurde uns bewusst, dass uns diese völlig genügen und wir mit Blick aufs Tiny House Leben sogar noch sehr guten Gewissens weiter ausmisten konnten. In einer 30 Tage Challenge mit einem guten Freund aus Neuseeland haben wir uns dazu entschieden, uns innerhalb eines Monats täglich von ausgedientem Hab und Gut zu trennen. Tag 1 stand für ein „Ding“, Tag 30 für 30 „Dinge“. Das befreiende Ergebnis dieser Challenge war, dass wir nach einem Monat (mehr oder weniger) schmerzfrei mehr als 900 Dinge verkauft oder im Sozialkaufhaus Augsburg verschenkt hatten. Ein kleiner Schritt für uns, ein großer Richtung Einzug ins Tiny House.

Wie viele Dinge besitzt du und wie sieht dein Weg der bewussten Reduzierung aus?

Unser Weg ins Tiny House, den du übrigens unter @tinyon.de bei Instagram mitverfolgen kannst, war ehrlich gesagt anstrengender als zu Beginn gedacht. Es gibt einige gravierende Unterschiede zum klassischen Einfamilienhaus bzw. Herausforderungen, die Hintergrundwissen und bewusste Entscheidungen erfordern. Mit tinyon möchten wir unsere Erfahrungen mit euch teilen, Impulse geben und haben dafür diese Plattform zum Austausch Interessierter mit Expert:innen geschaffen. Wir freuen uns auf gemeinsame Meetups und inspirierende Podcast-Folgen!

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Beste Grüße & tinyon 💪
Chris & Caro